08.09.2012 | Wildeshausen

Wie fast immer, wenn man in Schleswig-Holstein unterwegs ist und langsam wieder gen Süden will: Irgendwann kommt man, wenn man mit dem Auto unterwegs ist, auch am Elbetunnel in Hamburg vorbei. Beziehungsweise eben nicht vorbei sondern hindurch. Die Horrorvisionen, die manch einer davon hat – verkehrstechnisch – müssen sich aber nicht immer bestätigen. Wir kamen insgesamt gut durch und waren (fast) alle pünktlich in Wildeshausen. Schon von weitem greift der geübte Blick eines Kruzianers, der neun Jahre lange alle möglichen Typen von Kirchenbauten in Deutschland „besungen“ hat: Die Kirche eignet sich hervorragend zum Singen. Und was soll man sagen: Der erste Blick hinein bestätigte es. Der Kantor Ralf Grössler empfing uns bereits freundlich und gab uns gleich einen heißen Tipp: Gregorianik, Renaissance und ähnliches singt man am besten von ganz vorne, vom Hochaltar, für den Rest kann man dann näher ans Publikum treten. Gesagt getan, doch bevor wir das ausprobieren konnten, gab es die Quartierverteilung und Mittagessen. Der Nachmittag wurde individuell verbracht, ob Mittagsruhe, Kulturprogramm oder Orgelüben in der Kirche… Abends vor dem Konzert wartete die Stell- und Akustikprobe auf uns und tatsächlich: Mendelssohns Vespergesang (der gregorianische Melodien mit romantischen Harmonien auf unheimlich reizvolle Art und Weise verbindet, wie es eben nur Mendelssohn kann) und die zwei Stücke vom englischen Renaissance-Meister Thomas Tallis („Hear the voice and prayer“ und „If ye love me“) klangen vom Hochaltar aus bezaubernd, was auch das Publikum mehrheitlich bestätigte und hervorhob, das trotz kurzfristiger Planung und parallelen Veranstaltungen zahlreich erschienen war. Eine besondere Herausforderung für uns war dieses Mal der „dritte Teil“ des Programms – der moderne. Denn der örtliche Kantor ist bekannt für seine Gospelchorarbeit und seine populären selbst komponierten Oratorienaufführungen. Doch auch das gelang gut und Sänger und Publikum verließen gleichermaßen begeistert die akustisch wie optisch wunderbare Wildeshausener Kirche – Da kommt man gelegentlich gerne wieder! (P.S.: Ein besonders großer Dank gilt dieses Mal den Quartiereltern, die uns sogar gleich zwei Nächte liebevoll aufnahmen!)